Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) erleben Gefühle oft besonders intensiv. In emotionalen Krisen kann es sich anfühlen, als würde alles gleichzeitig überfordern: innere Anspannung, Angst vor dem Verlassenwerden, Wut, Leere oder Selbstzweifel. In solchen Momenten ist es wichtig zu wissen: Du musst damit nicht allein bleiben. Es gibt schnelle und niedrigschwellige Hilfe bei Borderline – telefonisch, online und vor Ort. In diesem Artikel findest du wichtige Anlaufstellen, Borderline-Hotlines und praktische Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
Welche Nummer hilft bei Borderline sofort weiter?
Wenn du merkst, dass deine Gefühle dich überwältigen oder du Angst hast, dir selbst etwas anzutun, solltest du dir direkt Unterstützung holen. Diese Nummern können im Notfall helfen:
- 112 / 110: Rettungsdienst und Polizei erreichst du jederzeit kostenfrei – auch ohne Guthaben oder Netzempfang. Besonders bei akuter Selbstgefährdung oder schweren Krisen solltest du nicht zögern, Hilfe zu rufen.
- 0800 1110111 / 0800 1110222: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar und bietet anonyme Unterstützung bei emotionalen Krisen.
- 116 117: Der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft bei psychischen Krisen außerhalb der regulären Praxiszeiten weiter.
- 116111: Das Kinder- und Jugendtelefon unterstützt junge Menschen anonym und kostenfrei.
Hilfe für Angehörige
Auch Angehörige brauchen manchmal Unterstützung – besonders dann, wenn Konflikte eskalieren oder sie sich überfordert fühlen.
- 0800 112 112: Opfer Notruf für Menschen, die Gewalt oder Bedrohung erlebt haben.
- 116 006: Der Weiße Ring bietet telefonische Beratung und Unterstützung für Betroffene belastender Situationen.
Wichtig: Niemand muss eine Krise allein bewältigen. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt in Richtung Stabilität.
Kostenfreie Online-Angebote bei Borderline
Diese Angebote bieten schnelle und niedrigschwellige Unterstützung:
- Krisenchat: Kostenfreie Hilfe per WhatsApp durch Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen.
- TelefonSeelsorge Online-Chat: Anonyme Beratung per Chat oder Mail.
- Helpchat: Digitale Krisenhilfe und Informationen zu Therapieangeboten.
- INCogito: Rund um die Uhr erreichbarer WhatsApp-Chat ohne Anmeldung.
Austausch mit anderen Betroffenen
Viele Menschen erleben es als entlastend, mit anderen über ähnliche Erfahrungen zu sprechen. Online-Foren und Selbsthilfe-Plattformen können das Gefühl vermitteln, verstanden zu werden und nicht allein zu sein.
Der Austausch ersetzt keine Therapie, kann aber emotionale Unterstützung und Orientierung bieten.
Selbsthilfegruppen und persönliche Unterstützung
Selbsthilfegruppen schaffen einen geschützten Raum für Austausch und Verständnis. Viele Betroffene erleben dort zum ersten Mal, dass sie mit ihren Gefühlen nicht „falsch“ oder allein sind.
In Gruppen können Themen wie:
- emotionale Krisen,
- Beziehungen,
- Selbstwert,
- Selbstverletzung,
- Impulskontrolle
- oder der Umgang mit Angehörigen offen besprochen werden.
Hilfreiche Anlaufstellen zur Suche nach Gruppen sind:
- der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK),
- sowie NAKOS, die nationale Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen.
Digitale Hilfe bei Borderline mit priovi
Eine zusätzliche Unterstützung im Alltag kann die digitale Therapie priovi bieten. Das Programm wurde speziell für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt und hilft dabei, Gefühle besser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Krisen zu erlernen.
Du arbeitest unter anderem an:
- Emotionsregulation
- Impulskontrolle
- Selbstfürsorge
- Beziehungen und Konflikten
- sowie einem freundlicheren Umgang mit dir selbst.
priovi ist kostenlos auf Rezept für dich verfügbar. Hol dir dein Rezept von deiner Ärztin, deinem Arzt oder Therapeut:in und deine Krankenkasse übernimmt die Kosten komplett. Von ihr erhältst du auch den Freischaltcode für das Programm. Einfach auf der priovi Website eingeben und zu einem beliebigen Zeitpunkt starten.
Hilfe bei der Suche nach Therapie und Beratung
Einen Therapieplatz zu finden, kann anstrengend sein – besonders dann, wenn die Belastung ohnehin schon hoch ist. Unterstützung bieten unter anderem sozialpsychiatrische Dienste (SpDi), Beratungsstellen und Hausärzt:innen.
Der sozialpsychiatrische Dienst hilft unter anderem:
- bei der Orientierung im Hilfesystem,
- bei Krisen,
- bei der Suche nach Therapieangeboten,
- und bei sozialen oder organisatorischen Problemen.
Die Beratung ist meist kostenfrei und vertraulich.
Wann eine Klinik oder Notaufnahme wichtig ist
Es gibt Situationen, in denen schnelle medizinische Hilfe notwendig ist.
Bitte hole dir sofort Unterstützung, wenn:
- akute Suizidgedanken auftreten,
- schwere Selbstverletzungen passiert sind,
- starke Dissoziationen oder Halluzinationen auftreten,
- Fremdgefährdung besteht,
- oder der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann.
In solchen Fällen solltest du den Rettungsdienst unter 112 kontaktieren oder eine psychiatrische Notaufnahme aufsuchen.
Fazit – Borderline-Hilfe ist erreichbar
Ein akuter emotionaler Ausnahmezustand kann sich überwältigend anfühlen. Doch du musst damit nicht allein bleiben. Ob Borderline-Hotline, Online-Chat, Selbsthilfegruppe oder Therapie: Unterstützung ist erreichbar – oft schneller, als man denkt.
Jeder Schritt, mit dem du dir Hilfe holst, ist ein Schritt in Richtung Stabilität und Selbstfürsorge.