Die Schwangerschaft ist eine Zeit großer Veränderungen – körperlich wie emotional. Mit der Diagnose Borderline stellen sich oft zusätzliche Fragen: Wie gehe ich mit den Hormonschwankungen um? Was braucht mein Kind? Bin ich überhaupt in der Lage, ihm eine gute Mutter zu sein? Deine Gedanken sind völlig normal. All diese Fragen stellen sich auch werdende Mütter ohne Borderline-Persönlichkeitsstörung. Um dir den Druck zu nehmen: du bist aufgrund deiner Erkrankung keine schlechtere Mutter. Im Gegenteil: dein Wissen um die Erkrankung und der achtsame Umgang mit ihr machen dich sensibler für die Selbstreflexion. Eine gute Vorbereitung sowie das Wissen um Unterstützungsangebote ermöglichen auch mit Borderline eine glückliche Schwangerschaft und Mutterschaft sowie eine sichere Bindung.
Borderline und Schwangerschaft: Herausforderungen erkennen
Die intensiven Hormonumstellungen während einer Schwangerschaft sowie körperliche Veränderungen belasten häufig auch psychisch gesunde Frauen. Hinzu kommen Unsicherheiten in Bezug auf den neuen Alltag mit Kind und die Sorgen aufgrund der bevorstehenden Geburt. Bei werdenden Müttern mit Borderline können diese Ängste und Gefühlsschwankungen intensiver ausfallen. Je nach Ausprägung der Erkrankung, Therapiefortschritten und Halt im sozialen Umfeld kann eine Schwangerschaft bei Patientinnen einer Borderline Persönlichkeitsstörung eine besonders kritische Lebensphase darstellen.
Einer der wichtigsten Punkte, die es im Zusammenhang mit Borderline und Schwangerschaft zu beachten gibt, ist die Medikation. Zwar gibt es noch keine offiziell zugelassenen Medikamente für eine Borderline Persönlichkeitsstörung, jedoch nehmen Patientinnen häufig Antidepressiva (SSRI), Stimmungsaufheller (Valproinsäure) oder Beruhigungsmittel (Lorazepam) zur Linderung akuter Borderline-Symptome. Einige dieser Medikamente können auch während der Schwangerschaft bedenkenlos weiter eingenommen werden, während andere strikt zu vermeiden sind. Dennoch solltest du Medikamente niemals ohne vorherige Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin absetzen oder einnehmen.
Die größte Hilfe bei Borderline in der Schwangerschaft ist die weitere konsequente Anwendung bewährter Bewältigungsstrategien und Verhaltensweisen für den Alltag. In akuten Krisen solltest du dir als werdende Mutter zeitnah Unterstützung im Familien -und Freundeskreis sichern.
Vorbereitung auf die Zeit nach der Geburt
Nach der Geburt erfolgt für jede Mutter eine extreme Umstellung. Nicht nur die großen körperlichen und hormonellen Veränderungen sind herausfordernd. Plötzlich ist da in deinen Armen dieses schreiende Wesen, das 24 Stunden deine liebevolle Aufmerksamkeit benötigt. Dies ist für jede Frau eine enorme Herausforderung, besonders beim ersten Kind. Bis zu 75 Prozent aller Mütter berichten während der ersten Tage und Wochen nach der Entbindung von dem sogenannten „Babyblues“, auch ohne eine diagnostizierte Borderline Persönlichkeitsstörung. Dass du um deine Erkrankung weißt, gibt dir einen wertvollen Vorlauf, um dich während der Schwangerschaft gut auf die Zeit nach der Geburt vorbereiten zu können.
Das Wichtigste für Mütter mit Borderline ist ein Netzwerk aus wertvollen Kontakten. Neben der eigenen Mutter, Schwester, der besten Freundin und dem Partner oder der Partnerin, sollten auch behandelnde Therapeut:innen, Ärzt:innen und die Hebamme ins Boot geholt werden. Die professionell ausgebildeten Ansprechpartner:innen zum Thema Geburt wissen genau, welches Verhalten bei Müttern nach der Geburt normal ist und wann es mehr Unterstützung braucht. Im Bedarfsfall, wie etwa bei Anzeichen für eine postnatale Depression der Borderline-Betroffenen, können diese Expert:innen an spezielle Anlaufstellen für Mutter und Kind verweisen.
Hilfe bei Borderline: Spezielle Angebote für Mütter
Es gibt in ganz Deutschland zahlreiche Mutter-Kind-Einrichtungen, die auch für Borderline-Betroffene wertvolle Unterstützung im neuen Alltag mit Kind geben. Angefangen von Schwangerschafts- und Elternberatungsstellen über frühe Hilfen bis zu stationären Einrichtungen für Mutter und Kind.
Das bundesweite Netzwerk eltern.info bietet praktische Hilfen für Familien im Alltag. Besonders im Umgang mit Borderline und der Schwangerschaft ist es wichtig, dass du dich frühzeitig über diese Unterstützungsangebote zur Entlastung informierst. Die kostenfreien Angebote in der Schwangerschaft umfassen zum Beispiel Familienhebammen, welche Mütter bereits vor der Geburt bis zum ersten Geburtstag des Kindes intensiv unterstützen. Besonders bei Schwangeren mit Borderline ist dieses Angebot hilfreich, um mit ihren überwältigenden Ängsten und Gefühlen umzugehen. Nach der Geburt sind auf Wunsch Willkommensbesuche speziell ausgebildeter Lots:innen möglich, welche die Familien über Unterstützungsangebote in ihrer Nähe aufklären.
Reicht die partielle Unterstützung im Alltag nicht aus, bieten spezielle Mutter-Kind-Einrichtung einen sicheren Rahmen für den Aufbau der Bindung zwischen Mutter und Kind. Laut § 19 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) haben schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter/Väter ein Recht auf Unterstützung bei der Pflege und Erziehung ihres Kindes in einer geeigneten Wohnform. Die Kosten werden in der Regel vom Jugendamt übernommen. Wende dich für den Antrag an den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des zuständigen Jugendamtes deiner Stadt und schildere dort im offenen Gespräch ehrlich deine Situation. Hab keine Angst davor, dir Hilfe bei der öffentlichen Behörde zu suchen. Die Mitarbeiter:innen des Jugendamtes werten dies als positives Zeichen, dass du als Mutter verantwortungsbewusst mit deiner Krankheit umgehst und werden dich dahingehend unterstützen.
Im Umgang mit Borderline sind feste Strukturen und Routinen besonders wichtig, um in herausfordernden Momenten die Kontrolle zu behalten. Unter Mutter-Kind-Einrichtungen.de findest du bundesweite Adressen für stationäre Aufenthalte oder Wohngruppen für dich und dein Kind. In einigen Einrichtungen kann die ganze Familie für eine begrenzte Zeit wohnen. Neben der Etablierung individueller fester Tagesstrukturen und dem Erlernen alltagspraktischer Skills mit psychischen Erkrankungen wie Borderline, geben diese Einrichtungen Unterstützung im angemessenen Umgang mit dem Kind.
Vielleicht hat dir deine Borderline-Erkrankung in der Schwangerschaft aber auch keine größeren Probleme gemacht und dein Kind ist dir ein täglicher Ansporn? Das ist natürlich das bestmögliche Szenario. Damit du dich langfristig dennoch nicht überforderst, ist eine Mutter-Kind-Kur eine gute Möglichkeit für euch beide, dem stressigen Alltag zu entfliehen. Die Auszeit wirkt präventiv, entlastend und kann den Therapieerfolg bei Borderline unterstützen. Wohlfahrtsverbände wie das Müttergenesungswerk helfen bei der Antragstellung und können sogar nach speziellen Kliniken suchen, wenn du sie über deine Borderline-Persönlichkeitsstörung informierst.
Selbsthilfe und digitale Unterstützung im Mama-Alltag
Bei Borderline in der Schwangerschaft und der Zeit danach ist Selbstfürsorge neben der Inanspruchnahme von Therapieangeboten besonders wichtig. Verantwortung abgeben ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein erwachsener und gesunder Umgang mit der neuen herausfordernden Aufgabe.
Beziehe deinen Partner oder deine Partnerin von Anfang an gut ein oder nutze Großeltern-Tage als Auszeit für dich. Du musst nicht perfekt sein, du darfst Dinge liegen lassen. Wenn dein Baby beim Vater oder den Großeltern ist, musst du nicht Vorkochen oder die Wohnung putzen, sondern zuallererst Selbstfürsorge betreiben. Gönne dir regelmäßig kleine Auszeiten mit entspannenden Bädern oder zieh dich einfach fünf Minuten im Alltag mit einem Tee zurück und erlaube dir, durchzuatmen.
Das digitale Therapieprogramm priovi unterstützt dich dabei, entspannt und zu deiner Zeit wertvolle Bewältigungsstrategien im Umgang mit deiner Borderline-Erkrankung im Rahmen deiner Schwangerschaft zu erlernen. priovi ist die einzige verschreibungsfähige Behandlung bei Borderline und unterstützt dich in jeder Herausforderung, die das Dasein als werdende und frischgebackene Mutter mit sich bringt. Indem du lernst, deine Gefühle besser zu verstehen und freundlicher mit dir selbst umzugehen, kannst du auch zu deinem Kind eine intensivere Bindung aufbauen. Die digitale Anwendung ist kostenlos auf Rezept deines Arztes oder deiner Ärztin für dich verfügbar. Fürsorge für dich selbst und dein Kind auf einen Klick.
Fazit – Ein gesundes Aufwachsen ist möglich
Die Diagnose Borderline in der Schwangerschaft sollte keine zusätzlichen Ängste in dir schüren. Das Bewusstsein um deine Erkrankung ist eine nicht zu unterschätzende Stärke und Chance für eine erfüllende Mutterschaft. Der rechtzeitige Aufbau eines starken Netzwerkes, der offene Umgang mit deinen Gefühlen und Sorgen sowie das Wahrnehmen von Unterstützungsangeboten schaffen die beste Grundlage für dich und dein Baby.