Lange Zeit galt Borderline als eine Diagnose, die fast nur Frauen betraf. Heute wissen wir: Männer sind ungefähr genauso häufig betroffen. Nur die Art der Borderline-Symptome kann sich bei beiden Geschlechtern verschieden äußern. In diesem Artikel erfährst du, wie unterschiedlich Frauen und Männer mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung umgehen und was alle Betroffenen gemeinsam haben.
Borderline bei Frauen: Der klassische Blick
Frauen mit einer Borderline-Diagnose richten die Auswirkungen ihrer häufig eingeschränkten Emotionsregulation eher nach innen, also gegen sich selbst. Die großen Gefühle sind für Betroffene schwer auszuhalten, sodass sie ein Ventil suchen. Aus diesem Verhalten kann sich über längere Zeit ein klassisches Muster entwickeln.
Typische Borderline-Symptome bei Frauen sind:
- Internalisierung (Spannungszustände werden eher gegen die eigene Person gerichtet)
- Selbstverletzung
- Ausgeprägte Verlustängste
- Instabile Beziehungen
- Impulsivität
- Unangemessene, innere Wut
- Innere Leere
Borderline bei Frauen äußert sich durch die klassischen Symptome, die mit der Diagnose einer instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs einhergehen. Dazu kommen oftmals parallel auftretende Erkrankungen wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) oder krankhaftes Essverhalten. Lange Zeit wurde Borderline bei Frauen circa 3-mal häufiger diagnostiziert. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass die Erkrankung genauso häufig Männer betrifft.
Fakt ist: Borderline bei Männern kommt ebenfalls vor. Der Grund, warum Frauen häufiger und früher eine korrekte Diagnose erhalten, liegt vermutlich darin, dass Frauen früher Hilfe suchen. Die Dunkelziffer für Borderline-Störungen bei Männern dürfte also deutlich höher sein.
Borderline bei Männern: Die unterschätzte Seite
Der Umgang mit Borderline bei männlichen Betroffenen kann auch für erfahrene Ärzt:innen und Therapeut:innen eine Herausforderung sein. Das Hauptproblem dafür ist, dass in unserer Gesellschaft Männern von klein auf beigebracht wird, dass sie sich nicht verletzlich zeigen dürfen. Unbedachte, scheinbar harmlose Sätze wie „Du benimmst dich wie ein Mädchen“ oder „Bist du ein Mann oder eine Maus“ richten langfristig in der männlichen Psyche mehr Schaden an, als die meisten wissen. Männer lernen oft schon als Kinder, dass sie nicht zu viel fühlen dürfen und suchen sich alternative Wege, ihre Emotionen herauszulassen. Dies wiederum führt zu dem Problem häufiger Fehldiagnosen. Besonders in jungen Jahren bleibt die Borderline-Störung bei Männern unentdeckt und wird mit dem Stempel „Aggressivität“ abgetan. Für Betroffene ist das äußerst fatal, denn die richtige Diagnose ist für die erfolgreiche Behandlung von Borderline bei Männern Grundvoraussetzung.
Wie äußert sich Borderline bei Männern?
Es gibt nicht das klassische männliche oder weibliche Verhalten, jedoch gibt es bestimmte Tendenzen an Borderline-Symptomen, die häufiger bei Männern festgestellt wurden. Im Gegensatz zu Frauen mit Borderline, neigen Männer dazu, ihre heftigen Gefühle nach außen zu richten, was sich häufig in Form von Aggressivität äußert. Es gibt aber auch die „leisen“ Männer mit Borderline, die ihre Probleme in Alkohol ertränken oder sich mit illegalen Substanzen betäuben. Die Suchtproblematik spielt bei der männlichen Ausprägung der Erkrankung eine relevante Rolle.
Dazu sind häufig folgende Borderline-Symptome bei Männern zu beobachten:
- riskantes Fahrverhalten
- heftige Wutausbrüche
- Impulsivität
- Selbstverletzungen
- Auflehnen gegen Autoritäten
Während sich Frauen mit Borderline eher in die Trauer flüchten, äußert sich der Leidensdruck von Borderline bei Männern oft in unkontrollierbarer Wut. Auch selbstverletzendes Verhalten gehört zu den klassischen männlichen Borderline-Symptomen. Allerdings neigen Männer dazu, ihre Selbstverletzungen zu verbergen, während Frauen sie häufig ganz offen zur Schau tragen.
Dazu kommt das erhöhte Risiko für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Therapeut:innen von männlichen Borderline-Patienten arbeiten mit einem Mix aus Suchtprävention und Emotionsmanagement, mit dem Ziel der besseren Selbstwahrnehmung. Leider brechen Männer die Borderline Therapien häufig frühzeitig ab.
Gemeinsamkeiten bei Borderline bei Frauen und Männern: Die emotionale Instabilität
Der geschlechtsspezifische Unterschied ist bei der richtigen Hilfe bei Borderline entscheidend. Genauso wie der Blick auf die Gemeinsamkeiten. Sowohl Frauen als auch Männer mit Borderline leiden an einer hohen emotionalen Instabilität.
Borderline ist keine Charakterschwäche oder ein Mittel zur Manipulation. Es handelt sich um eine reale Beeinträchtigung der Emotionsregulation. Starke Gefühle werden dabei oft direkt in Handlungen umgesetzt. Das liegt daran, dass die Amygdala (der Ort, wo im Hirn die Angst sitzt) schneller und stärker auf emotionale Reize reagiert. Der präfrontale Kortex (die Stimme der Vernunft) hat dabei Pause. Daher sind die klassischen Borderline-Symptome sowohl bei Männern als auch bei Frauen aus dem Affekt heraus getroffene Entscheidungen und spontane Gefühlsausbrüche.
Für Außenstehende ist das Gefühlsleben von Menschen mit Borderline manchmal schwer nachzuvollziehen. Impulsive oder gar gefährliche Handlungen lösen häufig Unverständnis im sozialen Umfeld aus und können zu einer belastenden Stigmatisierung führen. Umso wichtiger sind Freund:innen und Familien, die nicht nur in emotionalen Krisen zur Stelle sind, sondern sich aktiv selbst über Borderline Symptome und die Erkrankung selbst informieren.
Hilfe bei Borderline: Digitale Therapie mit priovi
Hilfe in Anspruch zu nehmen fällt nicht leicht. Zudem kommt die Tatsache, dass man in Deutschland mitunter Monate oder gar Jahre auf einen geeigneten Therapieplatz zur Behandlung von Borderline warten muss.
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Fazit – Gefühle kennen kein Geschlecht
Unabhängig vom Geschlecht verdient jeder Mensch eine valide Diagnose und wirksame Unterstützung. Das Wissen um geschlechtsspezifische Borderline-Symptome soll Betroffenen und Angehörigen einfach Orientierung geben. Ob Borderline nun bei Männern oder Frauen vorkommt – alle Betroffenen benötigen eine individuelle Behandlung und Sicherheit im sozialen Umfeld.
Spezielle Hilfen bei Borderline für Angehörige machen es allen Seiten leichter, langfristig besser mit der Situation umzugehen. Angehörige, die sich zum Thema informieren, geben ihren Betroffenen ein starkes, positives Signal, dass ihre Gefühle gesehen und ernstgenommen werden.