Krisenpass Borderline: Dein Begleiter für maximale Sicherheit
Zusammenfassung

Wenn dich intensive Gefühle im Alltag begleiten, kann es hilfreich sein, mehr darüber zu wissen, was dir in schwierigen Momenten helfen kann. In diesem Artikel erfährst du, was ein Krisenpass für Borderline Betroffene ist, wie er dich unterstützen kann und wie du ihn Schritt für Schritt für dich erstellst.

Wenn Worte fehlen und du trotzdem verstanden werden möchtest

In einer akuten Krise kann es schwer sein, klar zu denken oder zu sprechen. Gefühle sind intensiv, der Körper ist angespannt und gleichzeitig sollst du erklären, was du brauchst.

Vielleicht merkst du, dass dir Worte fehlen oder dass du dich nicht mehr so ausdrücken kannst, wie du es eigentlich möchtest. Manche Menschen erleben in solchen Momenten auch, dass sie sich zurückziehen, sehr kurz angebunden sind oder gar nicht mehr reagieren können.

Genau hier kann ein Krisenpass Borderline Patient:innen unterstützen. Er übernimmt in gewisser Weise die Kommunikation für dich. Dann, wenn es dir selbst gerade nicht möglich ist.

Das kann entlastend sein: Du musst nicht erst erklären, was los ist. Die wichtigsten Informationen sind schon da – klar, strukturiert und für andere verständlich. Solche unterstützenden Maßnahmen werden auch in Leitlinien als sinnvoll beschrieben, um in akuten Situationen schneller passende Hilfe zu ermöglichen.

Was genau ist ein Krisenpass?

Ein Krisenpass ist ein kleines Dokument, das wichtige Informationen über dich und deinen Umgang mit Krisen enthält.

Er ist dafür gedacht, in akuten Situationen eine schnelle Orientierung zu geben – dir selbst und anderen. Dabei geht es nicht nur um medizinische Informationen, sondern vor allem um dein persönliches Erleben: Was hilft dir? Was eher nicht? Was ist wichtig zu wissen?

Viele beschreiben den Krisenpass auch als eine Art „Übersetzungshilfe“ zwischen deinem inneren Erlebnis und dem, was andere verstehen können.

Unterschied zum Notfallplan

  • Notfallplan: ausführlicher, oft für dich selbst gedacht
  • Krisenpass: kompakt, übersichtlich, für den Einsatz im Akutfall

Besonders bei einer Krisenintervention kann ein Krisenpass sehr hilfreich sein, weil Fachpersonen schnell verstehen, was dir hilft. Ohne dass du alles selbst erklären musst.

Die Vorteile im Alltag

Ein Krisenpass kann dir nicht nur im akuten Notfall helfen, sondern auch im Alltag ein Gefühl von Sicherheit geben.

Was er leisten kann:

  • Entlastung im Moment: Du musst nicht alles erklären.
  • Schnellere Unterstützung: Andere wissen, was dir hilft.
  • Mehr Selbstbestimmung: Deine Bedürfnisse sind klar formuliert.
  • Sicherheit im öffentlichen Raum: Auch fremde Personen können sich orientieren.

Darüber hinaus kann allein das Wissen, einen Krisenpass bei sich zu haben, beruhigend wirken. Viele Menschen berichten, dass sie sich dadurch weniger ausgeliefert fühlen. Strukturierte Informationen können in Krisensituationen helfen, schneller angemessen zu reagieren (vgl. National Institute for Health and Care Excellence, 2009). Ein wichtiger Punkt: Du bestimmst selbst, was darin steht.

So ist ein hilfreicher Krisenpass aufgebaut

Ein Krisenpass sollte kurz, klar und gut verständlich sein. Das Ziel ist, dass jemand ihn auch unter Zeitdruck schnell verstehen kann.

Wichtige Inhalte sind zum Beispiel:

1. Persönliche Daten

  • Name
  • Notfallkontakte
  • behandelnde Fachpersonen

2. Medizinische Informationen

  • relevante Diagnosen (wenn du möchtest)
  • aktuelle Medikamente

3. Frühwarnzeichen

  • Woran merkst du, dass eine Krise beginnt?
  • typische Gedanken, Gefühle oder körperliche Reaktionen

4. Das hilft mir

  • konkrete Strategien oder Skills
  • was dich beruhigt oder stabilisiert
  • was dir Sicherheit gibt

5. Das bitte vermeiden

  • Dinge, die dich zusätzlich stressen
  • bestimmte Formulierungen oder Verhaltensweisen
  • Interne Verlinkung möglich: Borderline Skills / Umgang mit Anspannung

Strategien zur Spannungsregulation stammen häufig aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) – einem Ansatz für den Umgang mit intensiven Emotionen (vgl. Linehan, 1993). Formuliere die Inhalte aber so, dass sie auch für Außenstehende verständlich sind. Vermeide Fachbegriffe oder erkläre sie kurz.

Integration in dein Selbsthilfe-System

Ein Krisenpass wirkt am besten, wenn er Teil eines größeren Systems ist. Wie du dein System aufbaust, kannst du natürlich selbst entscheiden. Erlaubt ist, was dich unterstützt.

Dazu können gehören:

  • ein persönlicher Notfallplan
  • eingeübte Skills
  • unterstützende Kontakte
  • regelmäßige Reflexion deiner Auslöser und Bedürfnisse

Der Krisenpass ist dabei kein Ersatz für andere Strategien, sondern eine Ergänzung. Er verbindet verschiedene Elemente miteinander und macht sie im Notfall schnell zugänglich. Die Kombination verschiedener Strategien wird auch in der Forschung als wirksam beschrieben (vgl. Stoffers-Winterling et al., 2020).

Digitale vs. analoge Nutzung eines Krisenpasses

Beides hat Vorteile und du kannst auch beides kombinieren. Wenn du eine Variante lieber hast, ist es selbstverständlich vollkommen in Ordnung, nur eine zu nutzen.

Analoger Krisenpass:

  • schnell zugänglich
  • unabhängig vom Gerät
  • gut für unterwegs (z.B. im Geldbeutel)

Digitaler Krisenpass:

  • leicht anpassbar
  • immer dabei (Smartphone)
  • kann ergänzt werden (z.B. Notizen, Kontakte)

Manche Menschen verwenden auch beides parallel: eine Karte im Geldbeutel und eine ausführlichere Version auf dem Handy. Entscheidend ist, dass du im Ernstfall schnell darauf zugreifen kannst.

Was du beim Erstellen deines Krisenpasses beachten kannst

Du musst deinen Krisenpass nicht perfekt machen.

Hilfreich kann sein:

  • klein anzufangen
  • ihn regelmäßig anzupassen
  • ihn mit vertrauten Personen zu besprechen
  • ihn auszuprobieren und bei Bedarf zu verändern

Manchmal wird erst im Nachhinein klar, was hilfreich gewesen wäre. Auch das kannst du nachträglich ergänzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Schreibe deinen Krisenpass in einem ruhigen Moment. So kannst du klarer reflektieren, was dir wirklich hilft. Du vermeidest damit, ihn nur aus der Perspektive der Krise heraus zu erstellen.

Finde psychologische Soforthilfe, wenn du sie brauchst

Wenn du merkst, dass dich intensive Gefühle oder Krisen immer wieder herausfordern, kann es hilfreich sein, dir Unterstützung zu holen. Digitale Therapieprogramme wie priovi können dich dabei begleiten, deine Gefühle besser zu verstehen und Strategien für schwierige Situationen zu entwickeln.

Alltagsnahe Unterstützung erhältst du mit priovi, der digitalen Therapie für Borderline. priovi unterstützt dich dabei, deine Emotionen besser einzuordnen, hilfreiche Strategien zu entwickeln und einen stabileren Umgang mit belastenden Situationen zu finden.

priovi ist kostenlos auf Rezept für dich verfügbar – die Kosten übernimmt deine Krankenkasse. Deine Ärztin, dein Arzt oder Therapeut:in kann dir priovi verordnen. Von deiner Krankenkasse erhältst du anschließend einen Freischaltcode, den du ganz einfach auf der priovi Website einlösen kannst.

Fazit – Kleine Karte, große Sicherheit

Ein Krisenpass ist kein großer Aufwand, kann aber im richtigen Moment viel bewirken.

Er kann dich zum Beispiel dabei unterstützen:

  • dich sicherer zu fühlen
  • schneller die passende Unterstützung zu bekommen
  • in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben

Vielleicht gibt er dir auch ein Stück Kontrolle zurück. Genau in Momenten, in denen sich alles unsicher anfühlt. Und für manche Menschen ist genau das entscheidend: ein Stück Orientierung, wenn sich alles unsicher anfühlt. Schritt für Schritt kannst du so einen Weg finden, mit Krisen umzugehen – mit mehr Klarheit, mehr Sicherheit und mehr Unterstützung.