Über 2,5 Prozent der deutschen Bevölkerung sind in ihrem Leben von einer Borderline Persönlichkeitsstörung betroffen. Neben Gefühlsschwankungen, gehören selbstverletzendes Verhalten bis hin zu Suizidgedanken zu den möglichen Symptomen. Daher kann die Entscheidung für eine stationäre Therapie bei Borderline für Betroffene und Angehörige eine Erleichterung sein. Der Aufenthalt in einer spezifischen Borderline Klinik bietet einen sicheren Rahmen für die Therapie. Für Angehörige von Borderline Patient:innen bedeutet das aber auch eine Umgewöhnung im Miteinander.
Der Ablauf einer stationären Therapie bei Borderline
Entscheiden sich Betroffene dafür, ihre Borderline-Erkrankung therapieren zu lassen, sollte die Wahl auf eine spezialisierte Klinik für Borderline fallen. Hier arbeiten Therapeut:innen gezielt mit Behandlungsansätzen, die sich passgenau auf die Erkrankung ausrichten. Je nach Borderline Klinik kann der Aufenthalt voll- oder teilstationär erfolgen. Bei Borderline ist die vollstationäre Behandlung jedoch die Regel, da eine intensive Therapie notwendig ist und oft eine nicht zu unterschätzende Selbstgefährdung vorliegt.
Bei der stationären Therapie der Borderline Persönlichkeitsstörung wird die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) angewandt. Das Behandlungskonzept entstand Anfang der 90er Jahre in der ambulanten Psychotherapie chronisch suizidaler Frauen aufgrund diagnostizierter Borderline Störung in Seattle. Heute ist es einer der beliebtesten Behandlungsansätze bei Borderline weltweit. Neben Techniken wie der kognitiven Verhaltenstherapie beinhaltet es verschiedene Aspekte der Körperarbeit sowie Hypnoseanwendungen. Der Ablauf in der Klinik lässt sich in 3 Phasen unterteilen:
- Stationäre Vorbereitungsphase: In diesem zweiwöchigen Vorbereitungsstadium erfolgt eine umfangreiche Diagnostik der Klinik für Borderline sowie die sanfte Einführung in die stationäre Therapie.
- Stationäre Therapiephase: Die zwölfwöchige Hauptphase der Behandlung der Borderline Persönlichkeitsstörung zielt in erster Linie auf die Reduzierung selbstverletzender und suizidaler Gedanken ab. Zudem sollen Verhaltensweisen identifiziert und geändert werden, welche den Erfolg der Therapie einschränken.
- Ambulante Psychotherapiephase: Nach der Entlassung erfolgt eine engmaschige ambulante Nachbetreuung der Patient:innen, um in der sensiblen Phase nach dem Klinikaufenthalt Rückfälle zu vermeiden.
Eines der wichtigsten Werkzeuge in der Borderline Therapie ist die Verhaltensanalyse. Diese soll Betroffenen anschaulich dysfunktionale Muster aufzeigen, die es in Zukunft zu vermeiden gilt. Dabei erfolgt eine gemeinsame Erarbeitung von Handlungsanweisungen für den Akutfall sowie ein intensives Fertigkeitstraining.
Ziel der stationären Borderline Therapie
Ziel der stationären Therapie in einer spezialisierten Borderline Klinik ist vor allem das Erlernen gewisser Skills zur Selbstregulation. Mittels neu erworbener Fertigkeiten, um selbstschädigende Verhaltensmuster zu vermeiden, soll die emotionale Belastbarkeit erhöht werden. Das Therapieangebot wird in hochwertigen Kliniken für Borderline von den Expert:innen individuell stetig angepasst und erfolgt in Einzel- wie auch Gruppensitzungen.
Durch eine aktive Selbstkontrolle und das Erlernen von Regulationsstrategien soll der Leidensdruck bei Betroffenen minimiert und die Lebensqualität erhöht werden. Bei langfristiger erfolgreicher Anwendung der erlernten Skills sowie Mittel zur Selbstfürsorge steht der Aussicht auf einen gesunden Umgang mit intensiven Emotionen für Borderline Patient:innen nichts mehr im Wege.
Rolle der Angehörigen: Unterstützen, ohne zu überfordern
Nun fragst du dich sicher, wie du als Angehörige:r bei der stationären Therapie in der Borderline Klinik unterstützen kannst. Regelmäßige Nachrichten, Telefonate und Besuche geben Patient:innen Halt und Sicherheit. Sie zeigen, dass du trotz der stark veränderten Umstände weiterhin da und greifbar bleibst.
Auch die intensive Auseinandersetzung mit der Erkrankung hilft, die starken Gefühle von Borderline Patient:innen besser zu verstehen. Unterstützung dabei bietet die digitale Anwendung priovi. Die einzige verschreibungsfähige, kostenfreie Behandlung bei Borderline bietet Patient:innen wertvolle Bewältigungsstrategien und Impulse im Alltag.
Viele Kliniken beziehen Angehörige in die Therapiesitzungen mit ein. Zum einen dient das dazu, das Verständnis des Umfeldes für die Erkrankung zu erhöhen, wie auch die Angehörigen in der Kommunikation mit dem oder der Betroffenen zu schulen.
Wichtig ist, dass du die Rolle der Therapeut:innen anerkennst und ihre Regeln im Umgang mit dem oder der Betroffenen beachtest. Gib die Verantwortung an das Fachpersonal ab, auch wenn es schwerfällt. Dazu gehört auch, zu lernen mit der neu gewonnen Zeit für dich selbst umzugehen, wenn du vorher sehr viel in der Beziehung mit einem oder einer Borderline-Patient:in getragen hast.
Besuch in der Klinik für Borderline: Darauf solltest du achten
Während des Aufenthalts der Patient:innen in einer Borderline Klinik gibt es für Angehörige einige Regeln im Umgang mit der von Borderline betroffenen Person zu beachten. Dies kann anfangs irritierend wirken, dient aber dazu, den Erfolg der Therapie nicht zu gefährden. Bei der Kommunikation mit dem oder der Patient:in solltest du sowohl bei Telefonaten, Nachrichten wie auch beim Besuch in der Klinik auf folgende Verhaltensweisen achten:
- Keine Bewertung, weder des Therapiefortschrittes noch der Therapeut:innen
- Keine Ratschläge, denn in der Therapie liegt die Verantwortung bei den Therapeut:innen
- Keine Rettungsversuche bei Krisen, schließlich gehört genau dieses Erlernen von Eigenverantwortung maßgeblich zur DBT dazu
- Gefühle ernst nehmen und Verständnis zeigen
- Einhalten der Klinikregeln wie Besuchszeiten und individuelle Absprachen mit den Therapeut:innen
- Berechenbar bleiben im Kontakt mit betroffenen Angehörigen und pünktlich sein, um keine Unsicherheiten auszulösen
- Akzeptanz gegenüber neu gesetzten Grenzen
Eine emotional stabile, abgrenzende Haltung der Angehörigen ist die Grundvoraussetzung für den Behandlungserfolg der Patient:innen. Unbedachte Äußerungen können die Beziehung zwischen Patient:innen und Therapeut:innen schädigen.
Tipp: Wenn du ein negatives Gefühl bezüglich einer Behandlungsmethode oder Person hast, sprich mit den behandelnden Therapeut:innen darüber. Spannungen und schwierige Tage gehören zum Therapiealltag dazu. Mach dir bewusst, dass all dies dazu dient, dem Menschen, den du liebst, zu stärken und auf das Leben außerhalb der Klinik vorzubereiten.
Absprachen mit dem therapeutischen Team
Vor, während und nach der Therapie kann es, je nach Borderline Klinik, zu Absprachen zwischen dir und den behandelnden Therapeut:innen kommen. Dies ist nötig, um das Umfeld der Patient:innen besser kennenzulernen und einzubeziehen. Therapeut:innen können neben der Aufklärung über die einzelnen Schritte der Behandlung auch neue Verhaltensmuster im Umgang mit dem oder der Borderline Betroffenen festsetzen. Befindest du dich sogar in einer Partnerschaft mit einer oder einem Borderline Betroffenen sind gemeinsame Gespräche noch wichtiger für die Zukunft.
Für dich bieten diese Gespräche die Chance, in einem geschützten Rahmen, ehrlich eigene Grenzen zu setzen und auch Wünsche für die Zukunft der Beziehung zu äußern. Die professionellen Therapeut:innen sind in der Lage, den Raum für offene Gespräche zu halten, die im privaten Rahmen vielleicht eskaliert wären.
Tipp: Sende im Gespräch klare Ich-Botschaften und vermeide Vorwürfe. Sprich von deiner Wahrnehmung, deinen Gefühlen und deinen Wünschen. Sprich Probleme offen an. Borderline Patient:innen lernen in der stationären Therapie, die Gefühle anderer besser auszuhalten. Wenn die Therapie Erfolg haben soll, darfst auch du als Angehörige:r dein vermeidendes, beschützendes Verhalten ändern, damit der andere Verantwortung für sein Verhalten übernehmen kann.
Vorbereitung auf die Entlassung aus der Borderline Klinik
Die Übergangszeit zwischen Borderline Klinik und der Rückkehr ins eigene Zuhause oder eine betreute Wohngruppe ist besonders kritisch. Um Rückfälle zu vermeiden ist es wichtig, vorher gemeinsam mit Patient:innen sowie Therapeut:innen Krisenpläne zu besprechen. Dies beinhaltet sowohl das Anwenden gelernter Verhaltensweisen wie das Erarbeiten von Notfallkontakten bei Verdacht auf einen Rückfall. Diese präventiven Maßnahmen dienen nicht nur der Ersten Hilfe im Ernstfall, sondern geben Betroffenen und Angehörigen Sicherheit.
Eine ambulante Nachsorge ist essentiell, damit sich Expert:innen davon überzeugen können, dass die erlernten Skills auch im alten Umfeld funktionieren. Du kannst schon während der stationären Therapie in der Borderline Klinik einen Therapieplatz für die Nachsorge organisieren. Erfahrungsgemäß gibt es bei Therapeut:innen sehr lange Wartezeiten. Vielleicht war dein Lieblingsmensch vor der stationären Aufnahme schon in therapeutischer Behandlung? Dann kannst du mit dem oder der Therapeut:in über den Behandlungsfortschritt sprechen und einen Therapieplatz für die Zeit nach der Entlassung sichern.
Als Partner:in solltest du dich mit den neuen Strukturen des Alltags vertraut machen. Diese gilt es nach der Entlassung unbedingt einzuhalten, um dem oder der Borderline Betroffenen eine feste Struktur und Routinen zu geben. Diese Erwartbarkeit schafft Sicherheit. Wenn du Überraschungen organisierst, um dem oder der Patient:in etwas Gutes zu tun, vermeide Reizüberflutung.
Bereite auch das soziale Umfeld wie Freund:innen, Familie und Kolleg:innen auf die Entlassung vor. Setze klare Grenzen in der Kommunikation, um neugierigen Fragen über die Therapie entgegenzuwirken.
Digitale Unterstützung für den Alltag mit Borderline
Auch nach der Entlassung aus einer Klinik, können Borderline Betroffene Unterstützung gebrauchen. Eine niedrigschwellige Möglichkeit, die jederzeit abrufbar ist, bietet priovi. Das digitale Therapieprogramm priovi begleitet Menschen mit Borderline dabei, Gefühle besser zu verstehen, hilfreiche Strategien einzuüben und langfristig mehr emotionale Stabilität aufzubauen. Übungen zu Selbstfürsorge, Impulskontrolle und Emotionsregulation unterstützen dich dabei, auch in schwierigen Momenten handlungsfähig zu bleiben.
Das Beste daran: priovi ist für kostenlos. Da die Krankenkassen die Kosten übernehmen, kann ein Arzt, eine Ärztin oder Therapeut:in das Programm einfach per Rezept verordnen. Den Freischaltcode, den Nutzer:innen daraufhin von der Krankenkasse erhalten, wird bequem auf der priovi Website eingelöst. Und dann können Betroffene direkt mit priovi starten.
Fazit – Zurück aus der Borderline Klinik: Ein gemeinsamer Neuanfang
Der neue Alltag nach der Entlassung aus der Borderline Klinik kann sich anfühlen wie ein neuer Anfang in der Beziehung. Das kann beängstigend sein, bietet aber auch ungeahnte Chancen. Festgefahrene Verhaltensmuster, die immer wieder für Eskalationen sorgten, können sich lösen. Nimm dir die Zeit, deine:n Partner:in neu kennenzulernen. Dazu gehört es, Grenzen zu respektieren – deine eigenen wie auch die deines Partners oder deiner Partnerin. Im Krisenfall steht euch ein professionelles Team zur Seite, das bei der Neuausrichtung eurer Beziehung helfen kann.